Die neuen Humanisten: Wissenschaftler, die unser Weltbild verändern


 
Die Ideologie des Transhumanismus - und wie man Religion noch plagiieren kann.
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(TOP 500 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Die neuen Humanisten: Wissenschaftler, die unser Weltbild verändern (Gebundene Ausgabe) John Brockman stellt die Essays einer Reihe bedeutender Naturwissenschaftler vor und benennt diese in seinem Buch als "die neuen Humanisten". Aus den Reihen der Naturwissenschaft, so Brockmans Meinung, kämen heute jene geistigen Anregungen und Anstöße, die dereinst als der Beitrag unseres Zeitalters zum zivilisatorischen Fortschritt der Menschheit Geltung erlangen könnten. Das Buch gliedert sich in drei große Abschnitte: "Homo Sapiens", der sich mit anthropologischen Fragen befasst, "Machina Sapiens", welches von der Interaktion zwischen Mensch und Maschine handelt und "Entstehende Universen", in dem theoretische Physiker von ihrer Suche nach der "großen vereinheitlichten Theorie" in ihrem Fach berichten. Hierzu zu bemerken ist zunächst, dass der ganze dritte Teil, der auch etwa ein drittel des Gesamttextes ausmacht, eine Verschwendung von Papier ist, und damit nur den Preis des Buches in die Höhe treibt. Denn wer nicht etwa ein Studium der Physik hinter sich hat, wird von den kurzen Zusammenfassungen über Stringtheorie oder Loop-Quantengravitation, praktisch gar nichts begreifen - so abgehoben und unanschaulich sind die Konstrukte, mit denen sich Physiker unserer Zeit herumplagen. Und es ist noch nicht einmal gesagt, ob überhaupt eine der beiden Theorien sich als eine adäquate Beschreibung der Realität erweisen wird.
In den anderen beiden Teilen wird recht viel Werbung getrieben für einen, so könnte man ihn nennen, "evolutionären Humanismus", eine Anthropologie, die jeden Anteil von Transzendenz bei der Beschreibung des Menschen ausblenden will und ihn auf die Erkenntnisse der Evolutionspsychologie beschränkt, die den Menschen quasi als ein etwas komplizierteres Tier begreift. Statt einer echten Transzendenz wird dann im zweiten Teil eine Pseudo-Transzendenz im Sinne des "Transhumanismus" geboten - eine ideologische Strömung, die dem Menschen eine Ausweitung seiner geistigen und körperlichen Kräfte durch Cyborg-Technologie, Nano-Medizin u.ä. verspricht. Da der Gedanke, wir könnten all das, was sich frühere Frömmigkeit von der göttlichen Gnade erhoffte, nämlich Unsterblichkeit, tiefe Erkenntnis oder Seligkeit, mit technologischen Mitteln erreichen, erst vor kurzem von den Transhumanisten zum ersten mal formuliert wurde, besitzt er eine gewisse Frische, welche die ersten beiden Abschnitte durchaus originell und lesenswert macht. Wer allerdings auf philosophische Tiefe hofft, z.B. auf das Zugeständnis, dass das menschliche Subjekt, das erkennende Bewusstsein, jeder Wirklichkeit vorausgeht und aus den Objekten dieser Wirklichkeit, z.B. den Funktionen des Gehirns, nicht erklärbar ist, wird von der Lektüre enttäuscht werden. Für mich ist dies jedoch das Kriterium, das den Transhumanismus als unredliche Philosophie und damit tendenziöse Ideologie kennzeichnet.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 3. Dezember 2010
Kundenrezensionen:
3. Erweitert den Horizont
2. Ausgezeichnetes Buch!
1. Die Ideologie des Transhumanismus - und wie man Religion noch plagiieren kann. (die aktuell angezeigte Rezension)
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