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Zeitung von gestern
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Die DVD hätte ich mir schenken können.
Selbst, wenn man alle typischen journalistischen Stilschwächen außen vorläßt, ohne die offenbar keine einzige deutsche Doku bezüglich dieses Themas auskommt: spätestens nach der Ereigniskette Tanklaster, z. Guttenbergs "Krieg", Jungs Rücktritt und sieben "Gefallene" mutet der komplette Inhalt als Anachronismus an.
"Operation Afghanistan" weckte bei mir die Hoffnung, Bundeswehr im Einsatz mit zu erleben. Ich habe nicht den zehnten wehleidigen und mitleid-erregenden Abklatsch erwartet, der sich in langen dramaturgisch wertvollen Einstellungen mit Frauen und Kindern der kinderbuchvorlesenden Papis beschäftigt. Nichts, aber auch wirklich nichts gegen Euch, Ihr Papis, die Ihr dort dient und Euer Herz daheim laßt! Das allerdings ist, solange es Soldaten gibt, eine Selbstverständlichkeit, die höchstens den chronisch ungedienten bundesdeutschen Journalisten "kritische" und "nachdenkliche" politisch korrekte Sorgenfalten auf die Stirn zaubert.
Unsere Soldaten wollen sicher am allerwenigsten das ständige Mitleid der heimgebliebenen, der Politiker, der Journalisten, die nicht mal den Unterschied zwischen Balkenkreuz und Eisernem Kreuz kennen, sie wollen Anerkennung für Ihre Leistungen und volle menthale und materielle Unterstützung erhalten:
Sprecht sie in Euren "Dokus" doch mal so an, wie es der BW-Realität entspricht: in einer neuen und besseren Form einer solchen Dokumentation wäre es doch mal nett, nicht vom "Patrouillenführer Benjamin" (im Untertitel) zu hören und zu sehen, sondern vom Feldwebel Müller oder meinetwegen "M." Dieser dient vielleicht auch nicht in einem "Batalljong", wie es gerne durch ungediente ausgesprochen wird, sondern eben in einem Panzergrenadier-Bataillon (sprich Battaljoon).
Zeigt vielleicht auch mal Soldaten, die verschwitzt und dreckig und kaputt von einer Patrouille zurückkehren, möglicherweise gibt es sogar freigegebene Bilder von wirklichen Gefechtsszenen. (Exkurs: Wäre ich ein Action-Fetischist, würde ich mir Holywoodfilme über Vietnam anschauen, meine Intention bezüglich der Gefechtsszenen ist eine andere) Zeigt militärische Mißerfolge aber auch Erfolge! Zeigt die Bilder, spart Eure hyperzivilen politisch korrekten Kommentare und nötigt nicht jeden Soldaten dazu, unvorbereitet seine Kommentare in die Kamera zu sprechen, wie ein Bundesligaspieler nach der ersten Halbzeit. Die Bilder müßten mehr für sich sprechen. Schaut Euch vielleicht einmal vorher an, wie ein ähnlicher Bericht in der ansonsten so vorbildlich hingestellten BBC aussehen würde.
Dies ist sicher eine Generalkritik an der gesamten üblichen Berichterstattung in deutschem Film und Fernsehen. Leider hebt sich dieser Zweiteiler in keinster Weise hiervon ab, geschweige denn positiv. Für mich drängt sich hinsichtlich des Stils, der Bewertungen und der Sprache die Analogie zum Thema Zeitung auf, der ja nachgesagt wird, nichts sei so uninteressant, wie die Zeitung von gestern.
Eine Rezension von Stefan Rist >
vom 8. Juni 2010 |