Der brennende Geschmack der Freiheit: Mein Leben als junger Mullah im Iran (edition suhrkamp)


 
Innenansicht der religiösen Gemeinde
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Der brennende Geschmack der Freiheit: Mein Leben als junger Mullah im Iran (edition suhrkamp) (Taschenbuch) Der Autor Reza Hajatpour beschreibt seinen Lebensweg als islamischer Mullah im Iran des Ajatollah Khomeini. Ursprünglich, und noch zu Zeiten des Shah, beginnt er mit religiösen Studien, um Antwort auf einige Fragen zu finden (es wird leider nicht weiter ausgeführt, um was es dabei ging). Er findet Geschmack an der Beschäftigung mit der Religion und entschließt sich gegen den Willen seiner Eltern, ein religiöses Studium im Religionszentrum Ghom aufzunehmen. Während dieser Zeit wandelt sich das Land merklich von zuerst aufrührerischen Revolutionszeiten zur Etablierung der Islamischen Republik bis hin zum Iran-Irak-Krieg, der zu einer noch verstärkten Islamisierung im Land führt. Es ist insbesondere diese Phase, in der es dem Autor nicht mehr möglich ist, sich über für ihn interessante Fragestellungen seines Studiums auszutauschen. Er vereinsamt immer mehr und muß aufgrund seiner weiterhin unpolitischen Haltung auch als strenggläubiger Muslim Repressalien fürchten.

Ein sehr interessantes Buch aus einem völlig ungewohnten Blickwinkel. Zwar kann es nicht die Lebenssituation der Bevölkerung vermitteln (denn dazu ist der Autor naturgemäß viel zu sehr in seiner religiösen Gemeinschaft eingeschlossen), zeigt aber auf, wie weitgehend der politische Druck selbst in einem über jeden (religiösen) Zweifel erhabenen Zentrum spürbar wird, und wie unpolitische Islamgelehrte Schritt für Schritt durch politisch opportune ersetzt werden. Eine echte Innenansicht also; wobei man dies hier eher an der Oberfläche mitbekommt, da der Autor so gut es geht versucht hat, allem Politischen aus dem Weg zu gehen; wohl, weil er eigentlich nicht daran interessiert war. Hier zeigt sich auch wieder, daß Wegschauen und Naivität nicht vor Verfolgung schützen.

Besonders positiv möchte ich die Sprache des Autor hervorheben: Die Geschichte ist flüssig erzählt, besticht aber vor allem durch ein sehr hohes sprachliches Niveau und ist stellenweise fast poetisch. Das Lesen war daher trotz des etwas "spröden" Themas ein Genuß!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. Dezember 2007
Kundenrezensionen:
3. Ehrlich
2. Innenansicht der religiösen Gemeinde (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Interessant und auf jeden Fall lesenswert!
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