Komplex, aber wichtig
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Rezension bezieht sich auf: Die Welt ist, wie wir sie denken (Taschenbuch) "Die Welt ist (so), wie wir sie denken" - auf diesen Hintergrund ist diese Aufsatzsammlung gestellt. Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, die Einleitung zu verstehen, will man verstehen, worum es Gottschlich in diesem Buch geht. Das Buch ist sehr komplex und philosophisch. Für Nicht-Fachleute oder Neueinsteiger auf dem Gebiet der Kommunikationswissenschaft halte ich es für empfehlenswert, ein gutes Fremdwörterbuch dabei zu haben.

Die Kernpunkte sind meiner Ansicht nach folgende:

Die Wahrnehmung ist vom Wahrnehmenden nicht zu trennen. Wir glauben, was wir sehen, sehen aber meist nur das, was wir glauben. Dem jeweiligen Weltbild kommt eine Schlüsselfunktion zu. Denn es steuert die Annahmen und Erwartungen und damit auch die Wahrnehmung. Wir handeln, sprechen und denken gemäß unserer tief sitzenden Anschauungen und Überzeugungen.

Ich möchte das in eigenen Worten so ausdrücken:

Jemand, der an die Existenz von Außerirdischen glaubt, wird sich von 120 Buchtiteln zum Thema Ufos diejenigen auswählen, von denen er (aufgrund des Titels, der Kurzbeschreibung, etc.) annimmt, dass der jeweilige Autor dem Thema "Außerirdische" nicht skeptisch gegenüber steht; jemand der nicht an die Existenz von Außerirdischen glaubt, wird sich von denselben 120 Büchern diejenigen heraussuchen, von denen er annimmt, dass sie ufo-skeptisch geschrieben sind. (Dies gilt insbesondere auch für das Internet, das bei Stichworteingabe oft tausende Seiten "ausspuckt". Das, was man bei einer Internetabfrage - besonders dann, wenn so viele Homepageadressen angezeigt werden, dass man sich unmöglich alle genau ansehen kann, für einen "absoluten Unsinn", also nicht für wahr hält, lässt man von vorne herein "links liegen". Hier darf man nicht vergessen, dass das, was für den einen ein "absoluter Unsinn" ist, für den anderen "durchaus glaubwürdig" ist. Das Suchergebnis ist also von der Person des Suchers total abhängig.)

Die Persönlichkeit der "Medienmacher" bzw. von allen, die Informationen produzieren und verarbeiten, spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle; jeder Mensch sieht die Welt mit anderen Augen, nimmt sich aus der Milliardenmenge der zur Verfügung stehenden Daten das heraus, was seiner Erwartungshaltung entspricht. Es gibt keine "objektive" Wahrheit, für jeden Menschen sieht die Wahrheit anders aus, je nachdem, welche Lebenserfahrungen er bisher gemacht hat, welche Informationen er sich zugeführt hat, welche Sendungen er im Fernsehen gesehen hat, welche Zeitungen und Bücher er gelesen hat.etc....

Diese Sachverhalte sind für den Autor vor allem in Bezug auf den Journalismus von entscheidender Bedeutung. Zeitungsartikel etc. sind keine Wiedergabe der Wirklichkeit, sondern eine Zusammenstellung von dem, was der jeweilige Journalist für wahr hält. Journalisten sollten diesen Zusammenhang kennen, und sich der Verantwortung bewusst sein: Durch das, was sie aus der Milliardenmenge der ihnen zur Verfügung stehenden Daten für wahr halten und in ihren Artikeln anderen Menschen mitteilen, sind sie dafür verantwortlich, was andere Menschen für wahr halten.

Was als gesellschaftlich relevantes Wissen angesehen und akzeptiert wird, wird durch die Medien definiert. Die Medien sind die Wissensproduzenten unserer Tage.

Das Buch ist eine Sammlung von Beiträgen aus den Jahren 1980 - 1999. Mich stört allerdings, dass der Verfasser des jeweiligen Beitrages nicht genannt ist, sondern nur angegeben ist, in welchem Buch der Beitrag erstmals erschien.

Die Themen spannen sich von allgemeinen Gedanken über die Massenmedien, der Verständigung zwischen Journalist und Leser/Hörer/Seher, den journalistischen Selektionsmechanismen, den Klischees der Massenmedien (Fernsehen und Gewalttätigkeit, Auswirkungen des Fernsehens), Sprachlosigkeit, über den "Betroffenheitskult", den Tod der Prinzessin Diana, Vergangenheitsbewältigung, Nationalsozialismus, den Fall Waldheim, Jörg Haider, bis zu den Themen Informationsgesellschaft, Image von Universitäten, Christentum, Religion, Kirche, Religiosität sowie über moralische und relgiöse Einstellung von Journalisten.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 10. Oktober 2000
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